Geistlicher Übungsweg

Ein täglicher Weg mit Bibelwort, Andacht und stiller Übung

Woche 08

Der Kampf gegen die Macht des Bösen

Tag 04

Ich komme mit meiner Schuld zu Gott

Ich komme mit meiner Schuld zu Gott

Freiheit

„Wenn wir aber unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit.“

1. Johannes 1,9

Hörtext

Ich komme mit meiner Schuld zu Gott

Schuld gehört zu unserem Leben. Wir versagen, verletzen andere, treffen falsche Entscheidungen und bleiben hinter dem zurück, was wir eigentlich sein möchten. Das Böse kann diese Erfahrung benutzen, um aus echter Schuld eine zerstörerische Anklage zu machen: „Du bist schlecht. Du bist unwürdig. Für dich gibt es keinen neuen Anfang.“

Auch Religion kann diese Angst verstärken, wenn Menschen immer wieder auf ihre Fehler festgelegt werden oder ihnen vermittelt wird, dass sie nur durch bestimmte religiöse Autoritäten, besondere Bußübungen, Befreiungsgebete oder geistliche Leiter Vergebung und Freiheit finden können. Was eigentlich zur Versöhnung führen sollte, kann dann Abhängigkeit erzeugen.

Biblische Buße meint jedoch nicht, in Schuld und Scham gefangen zu bleiben. Sie bedeutet Umkehr: Ich erkenne an, was falsch war, übernehme Verantwortung und komme damit zu Gott. Wo Wiedergutmachung möglich ist, versuche ich sie. Doch meine Schuld muss nicht meine Identität werden.

„Wenn wir aber unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit.“ 1. Johannes 1,9

Der Kampf gegen die Macht des Bösen besteht deshalb auch darin, der anklagenden Stimme nicht das letzte Wort zu überlassen. Gott deckt Schuld nicht zu, aber er will sie vergeben. Ich darf mit meinem Versagen zu ihm kommen, seine Vergebung annehmen und neu beginnen.

Buße bedeutet nicht, in meiner Schuld wohnen zu bleiben. Buße bedeutet, mich Gott zuzuwenden, Vergebung anzunehmen und einen neuen Weg zu gehen.

Hier einige Lieder zum Thema:Fröhliche Busse:

Freiheit der Kinder Gottes
Du stellst meine füsse auf weiten Raum
Ich fand die Freiheit als hin zu Jesus kam
Oder suche dir hier eigne Lieder aus, die dein Herz berühren:

„Wenn wir aber unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit.“

1. Johannes 1,9

Koine-Griechisch

ἐὰν ὁμολογῶμεν τὰς ἁμαρτίας ἡμῶν, πιστός ἐστιν καὶ δίκαιος, ἵνα ἀφῇ ἡμῖν τὰς ἁμαρτίας καὶ καθαρίσῃ ἡμᾶς ἀπὸ πάσης ἀδικίας.

Erweiterte Übersetzung

Wenn wir unsere Sünden vor Gott offen eingestehen, sie nicht verbergen oder beschönigen, sondern ehrlich als das anerkennen, was sie sind, dann dürfen wir uns auf Gott verlassen: Er ist treu und handelt gerecht.

Er lässt unsere Sünden los und vergibt sie uns. Zugleich reinigt er uns von allem, was durch Unrecht, Schuld und Versagen unser Leben belastet hat. Wir müssen deshalb nicht in unserer Schuld gefangen bleiben, sondern dürfen gereinigt und versöhnt vor Gott neu beginnen.

Was der griechische Text erkennen lässt

ὁμολογῶμεν (homologōmen) – bekennen, eingestehen, offen anerkennen. Wörtlich steckt darin der Gedanke, „dasselbe zu sagen“: Ich stimme Gottes Urteil über meine Sünde zu und höre auf, sie vor ihm zu verbergen.

ἀφῇ (aphē) – vergeben, erlassen, loslassen. Schuld wird nicht nur festgestellt; sie wird von Gott erlassen.

καθαρίσῃ (katharisē) – reinigen, von Verunreinigung befreien. Gottes Vergebung reicht deshalb weiter als die bloße Feststellung: „Die Sache ist erledigt.“ Sie eröffnet einen gereinigten und erneuerten Weg.

πάσης ἀδικίας (pasēs adikias) – von aller Ungerechtigkeit, allem Unrecht. Der Blick richtet sich damit nicht nur auf einzelne Verfehlungen, sondern auf alles, was unserem Leben vor Gott nicht entspricht.

Der entscheidende Gedanke: Ich bekenne meine Schuld nicht, damit Gott endlich bereit wird, mich zu lieben. Ich bringe sie ans Licht, weil ich einem Gott begegne, der treu ist, vergibt, reinigt und einen neuen Anfang ermöglicht.